Wohnen in der Zukunft – die China House Vision Exhibition 2018

von Sebastian Klammer am Oktober 11, 2018

Company Housing for MUJI

Wie werden wir in Zukunft wohnen? Diese Frage beschäftigt Architekten und Designer vor allem in den großen Städten dieser Welt. Die dabei entstehenden Visionen zeigen, dass es dabei zwar oft um weniger Raum geht, aber dennoch um mehr Komfort, mehr Privatsphäre und Individualität. So geht es bei der diesjährigen China House Vision Exhibition auch um die Lösung ganz praktischer Probleme und die Verbindung menschlicher Weisheit mit moderner Wissenschaft und Technologie. Designer waren dazu aufgefordert, sich Gedanken zu machen zu Themen wie Sharing Economy, künstlicher Intelligenz, Energieverbrauch und Kommunikation – und diese in Form von Prototypen in Originalgröße zu visualisieren. 10 Modelle wurden zur Ausstellung eingereicht. Präsentiert werden sie vom Architekturbüro Herzog & de Meuron. Sie werden noch bis zum 4. November 2018 außerhalb des Pekinger Nationalstadions „Bird’s Nest“ zu sehen sein. „House Vision“ ist ein 2011 vom japanischen Designer und Kurator Kenya Hara begründetes Forschungsprojekt. Es hat sich zum Ziel gesetzt, Architekten und Unternehmen zusammenzubringen, um Ideen für ein vernünftiges Zuhause der Zukunft zu entwickeln.

Company Housing for MUJI von Go Hasegawa and Associates

Company Housing for MUJI

Company Housing for MUJI

Company Housing for MUJI

Wie können sich mehrere Bewohner eine einzige Wohneinheit teilen, dabei Komfort und Privatsphäre genießen, ohne einzelne Räume durch feste Wände voneinander abzutrennen? Um diese Frage zu beantworten, hat sich das japanische Unternehmen MUJI mit dem Architekten Go Hasegawa zusammengetan. Dabei hatte man besonders die Wohnsituation in den chinesischen Städten im Blick. In Shanghai zum Beispiel haben Wohnhäuser oft die Eigenart, dass ihre oberen Stockwerke für einstöckige Häuser eigentlich zu hoch sind – allerdings wiederum nicht hoch genug, um zwei Etagen darin unterzubringen. So auch im Bürogebäude von MUJI selbst. Speziell für diese Räume sieht das Unternehmen Mikrowohnungen vor, in denen Mitarbeiter unter der Woche wohnen können, die ansonsten bis zu 3 Stunden zur Arbeit pendeln. Der Raum insgesamt ist dabei in einen Gemeinschaftsbereich und kleinere, offene Schlafbereiche unterteilt. Der Gemeinschaftsbereich ist offen und großzügig und bietet zahlreiche Annehmlichkeiten, die man mit kleinem Budget sonst in der Stadt vergeblich sucht. Es gibt viel Platz zur Entspannung, zum Kochen, Essen und Baden. Die privaten Schlafbereiche sind in Form offener, frei tragender „Kisten“ an der Decke aufgehängt. Sie sind so ausgerichtet, dass sie zum Einen den Blick durch die Fenster auf die Stadt hinaus erlauben, zum Anderen aber auch genügend Privatsphäre voneinander bieten.

Infinite Living Pavilion von Crossboundaries

Infinite Living Pavilion by Crossboundaries

Infinite Living Pavilion by Crossboundaries

Das in Peking ansässige Architekturbüro Crossboundaries geht in seinem Entwurf weiter in die Zukunft hinaus. So sollen die Bewohner des „Infinite Living“ Pavilion in der Lage sein, mit Hilfe von noch nicht erfundenen Technologien ihren Lebensraum unendlich zu gestalten. Anstelle eines statischen Rasters, wie es bei den meisten Inneneinrichtungen zu finden ist, bietet „Infinite Living“ sieben Zonen, in denen man sich erholen, auftanken, sich inspirieren oder such austauschen kann. Intelligente Boden-, Decken- und Wandelemente lassen sich dabei nahezu grenzenlos bewegen, drehen oder verbergen, um Räume für bestimmte Aktivitäten zu schaffen oder das gesamte Volumen zu öffnen. Das in Zusammenarbeit mit dem Elektronikkonzern TCL produzierte Haus nutzt Fernseher als Virtual-Reality-Interfaces, um „alle Funktionen eines modernen mobilen Geräts zu nutzen und in die räumliche Dimension des Alltags zu integrieren“.

Urban Cabin von MINI LIVING und Dayong Sun

Urban Cabin von MINI LIVING und Dayong Sun

Urban Cabin von MINI LIVING und Dayong Sun

„Big Life, Small Footprint“ ist das Motto von MINI LIVING, deren Beitrag zu HOUSE VISION kompakt, innovativ und verspielt daherkommt. Auf einer Fläche von nur 15 Quadratmetern erforscht die Urban Cabin, wie man auf kleinem Raum ein Gemeinschaftsgefühl schafft und gleichzeitig maximale Lebensqualität erhält. Inspiriert von den historischen Hutongs Chinas, die um Höfe und Gassen herum angeordnet sind, verfügt die Kabine über ausklappbare Fenster und Tische, die das Innere öffnen oder schließen, während Vorsprünge auf dem Dach Tageslicht in den Raum leiten. Die goldenen Spiegel verleihen dem Haus mit seiner ungewöhnlichen Form eine sonnige Stimmung.

Living Garden von MAD Architects

Living Garden von MAD Architects

Living Garden von MAD Architects

Das Architekturbüro MAD Architects versucht in seinem Entwurf, den städtischen Alltag mit der Natur zu verbinden. Ihr „Living Garden“ macht geschlossene Innenräume komplett überflüssig – mit einem schwebenden, organisch geformten Dach, das auf der einen Seite zum Boden hin abfällt, um auf diese Weise einen Unterstand zu schaffen. Das Dach ist mit durchsichtigem, wasserfestem Glas gedeckt, das den Raum schützt, dabei aber jede Menge Licht in den Raum lässt. Außerdem ist das Dach mit Sonnenkollektoren versehen, die ausreichen, um den täglichen Bedarf einer dreiköpfigen Familie zu decken. Während dieser Vorschlag wahrscheinlich ein wenig zu offen ist, um realistisch zu sein, unterstreicht er auf interessante Weise einige der coolsten Aspekte der tropischen Open-Air-Architektur, wie sie traditionell häufig an Orten wie Singapur zu finden war.

400 Boxes von BLUE Architecture Studio

400 Boxes von BLUE Architecture Studio

400 Boxes von BLUE Architecture Studio

Jedes Gebäude kann unbegrenzt rekonfigurierbar bleiben, wenn seine Innenräume nicht durch Türöffnungen und Wände definiert sind. Das ist die Idee von BLUE Architecture Studio. So konzipierte Gebäude sollen für seine Bewohner bis weit in die Zukunft hinein nutzbar bleiben und dabei unterschiedlichsten, wechselnden Ansprüchen gerecht werden. Grundlage ihrer Idee ist ein großer, offener Raum, den das BLUE Architecture Studio mit verschieden großen Holzkisten ausgestattet hat, um Möbel, Pflanzgefäße, Schlaf- und Arbeitsbereiche, Schränke und mehr zu realisieren. Wenn sich die Bedürfnisse der Bewohner ändern – etwa, wenn sie sich entscheiden, dass die Küche etwas größer sein sollte oder ein zweites Schlafzimmer nicht wirklich benötigt wird –, tauschen Sie einfach einige der Boxen gegen neue aus oder erweitern die, die Sie bereits haben. Im Idealfall soll auf diese Weise die Notwendigkeit für Renovierungen oder die Entkernung von Räumen komplett entfallen. Außerdem wirken die Boxen wie Raumteiler, die je nach Bedarf ganz leicht umgestellt werden können.

e-Vege House von Yang Design

e-Vege House von Yang Design

e-Vege House von Yang Design

Die Produktion von Nahrungsmitteln bildet den Hauptzweck des e-Vege Hauses von Yang Design. Es nutzt moderne Technologie zum Anbau und zur Pflege von Nutzpflanzen wie Salat und Kräutern. Regenwasser wird vom Dach direkt in die Pflanzgefäße und in einen zentralen Teich geleitet, über dem ein Esstisch schwebt. Der Rest des Raumes wird definiert durch sehr klare Linien und minimalistische weiße Flächen, mit einer Wendeltreppe, die zum Schlafbereich führt.

House ATO vom Atelier Deshaus

House ATO vom Atelier Deshaus

House ATO vom Atelier Deshaus

Ein weiterer Prototyp, der von traditionellen asiatischen Hutongs inspiriert wurde, ist das House ATO von Atelier Deshaus. Wie bei der MINI LIVING Urban Cabin basieren auch bei diesem Gebäude viele seiner Grundfunktionen auf einem überdachten Außenraum – einschließlich des Bettes und der Schränke. Vielleicht werden wir uns in Zukunft nicht so sehr um Sicherheit kümmern müssen? Ein schöner, wenn vielleicht auch etwas utopischer Gedanke.

Concrete Vessel vom Atelier FCJZ

Concrete Vessel vom Atelier FCJZ

Concrete Vessel vom Atelier FCJZ

Beton muss nicht unbedingt massiv und bedrückend sein, argumentiert das Atelier FCJZ mit seinem monolithischen „Betonschiff“, das die Idee des traditionellen chinesischen Hofhaus ins Gegenteil verkehrt. Bei diesem Design öffnet sich ein zentrales Atrium zum Himmel – umrahmt von steinernen Tafeln, die entweder herausgleiten können, um frische Luft und Tageslicht in den Raum zu lassen oder sich einziehen lassen, um ihn zu schließen. Besonders interessant: die Struktur an sich besteht aus recyceltem Bauschutt und ist wesentlich leichter als normaler Beton. Luft und Licht können durch sie hindurch diffundieren. Nachts lässt das Material das Gebäude von innen leuchten und unterstreicht effektvoll seine Porosität.

Gefunden bei weburbanist.com.

Ein Kommentar

Hallo Sebastian,

ich könnte mir ganz gut vorstellen, in einem von diesen Häuschen zu wohnen, scheint echt cool zu sein! 🙂

Danke für die Informationen!

M.

by Marietta on 13. Oktober 2018 at 21:40. Antworten #

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