Ungewohnt: 5 Installationen, die Sichtweisen verändern

von Sebastian am Oktober 14, 2011

Wo ist die Grenze zwischen Kunst und Design? Wenn „Funktion“ das einzige Unterscheidungsmerkmal ist, dann gibt es einen ziemlich großen Graubereich zwischen den Extremen. In diesen Graubereich fallen Architektur-Installationen – Werke, die interaktiv und räumlich komplex sind, sich jedoch eher mit Ästhetik und Erlebnis beschäftigen als mit strenger Funktionalität. Fünf davon habe ich hier ausgegraben.

Da ist zum Einen das Puppenhaus. Einst ein bescheidenes, zweigeschossiges Farmhaus, wurde dieses Gebäude dem Verfall überlassen. Im Inneren jedoch war es noch nach Jahrzehnten erstaunlich intakt – komplett samt der Einrichtung und dem Mobiliar. Inspiration genug für Heather Benning, die das Gebäude in ein lebensgroßes Puppenhaus verwandelte – wie ein Schaufenster in eine andere Zeit.

Was kann man tun, um ein langweiliges, kahles Bürogebäude in etwas Inspirierendes, Anregendes zu verwandeln? Nun, man könnte es sprengen, zum Beispiel. Oder es so aussehen lassen, als hätte jemand genau das gerade getan. Die inszinierte architektonische Explosion in dieser Installation erhellt den gesamten Innenhof des Gebäudes und bietet aus jeder Perspektive neue Entdeckungen.

Einem ganz ähnlichen Gedanken – wenn auch deutlich ruhiger – folgt diese Regen-Installation von Stacee Kalmanovksy. „Rain Art“ widerspricht zwei grundlegenden Assoziationen, die wir mit dem Regen verbinden: zum Einen, dass er nur draussen stattfindet und zum Anderen, dass er stets in Bewegung ist und man ihn visuell nur schwer erfassen kann. Im Gegensatz dazu können die Leute durch diese Regen-Installation im Inneren eines Gebäudes hindurchlaufen und jeden einzelnen Tropfen betrachten, fühlen und anstupsen.

Wände definieren üblicher Weise den Unterschied zwischen drinnen und draussen, zwischen Öffentlichkeit und Privatem. Das Projekt „Turning The Place Over“ von Richard Wilson aus Liverpool bringt diese Erkenntnis zum Wanken. Diese sich ständig bewegende, rotierende Wandsektion hebt den Unterschied zwischen Innen und Außen abwechselnd auf und stellt ihn wieder her.

Mehr als 1.600 Stühle wurden für diese urbane Installation benötigt. All diese Stühle sind alt und haben ihre eigene Geschichte, die ein Stückchen zur Gesamtgeschichte des Kunstwerkes beiträgt. Die schiere Menge von Arbeit und Zeit, die in diese Anordnung von Sitzgelegenheiten geflossen sind, beeindrucken schon ganz für sich allein – unabhängig vom eigentlichen Ziel der Installation, das Doris Salcedo im Sinn gehabt haben mag.

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