Niksen – oder die Kunst, nichts zu tun.

von Sebastian Klammer am Februar 14, 2018

Niksen - Das Konzept vom Nichtstun

Zwischen „Hygge“, dem dänischen Konzept der Gemütlichkeit und dem schwedischen „Lagom“, das ein ausgewogenes Leben meint, gibt es zahlreiche nordische Lifestyle-Methoden, deren Befürworter behaupten, dass sie in der Lage seien, uns zu besseren Menschen zu machen. Wenn dein Problem aber weniger darin besteht, Glück und Erfüllung zu finden, sondern vielmehr darin, die ständig nervenden Stimmen in deinem Kopf zum Schweigen zu bringen, dann solltest du dich etwas mehr im Süden umtun und dir das niederländische Konzept vom „Niksen“ etwas genauer anschauen.

Niksen ist eine stressreduzierende Praxis aus den Niederlanden, die buchstäblich darauf abzielt, nichts zu tun, untätig zu sein. In der (Nicht-)Praxis, so erklärt Carolien Hamming, Coach beim CSR Centrum, einer Organisation, die sich dem Kampf gegen Stress und Burnout verschrieben hat, bedeutet Niksen, „etwas ohne Zweck zu tun“. Zum Beispiel, einfach aus dem Fenster zu starren, herumzuhängen oder Musik zu hören. Anstatt dich also ständig mit dem zu beschäftigen, was du als nächstes tun musst oder von einer Aufgabe zur nächsten zu springen, propagiert Niksen die Idee, all deine Tätigkeiten zu verlangsamen und dir eine Atempause von all den gesellschaftlichen Erwartungen an deine Produktivität zu verschaffen, die so fest in unserer Kultur verankert zu sein scheinen.

In der niederländischen Kultur sind die Vorurteile gegen das Nichtstun stark. So besagt schon das bekannte Sprichwort „Niksen is niks“ wörtlich übersetzt „nichts tun ist gut für nichts.“ In der Praxis bedeutet das, zwar beschäftigt zu sein – aber nicht zu beschäftigt; sich auch mal auszuruhen – aber nicht zu viel. Vor allem wird erwartet, nicht faul zu sein. Produktiv zu sein. Beizutragen.

Klingt bekannt? Kein Wunder. Denn auch in Deutschland wird ständig von uns erwartet, unsere Effizienz und Produktivität zu erhöhen, härter als alle anderen zu arbeiten. Wenn wir uns am Montag gegenseitig fragen: „Wie war dein Wochenende?“, sagt niemand: „Ich habe versucht, so wenig wie möglich zu tun.“ Niksen ist das genaue Gegenteil dieser Mentalität. Es ist die Gelegenheit, nichts zu tun – und gerade das fällt vielen Menschen nicht leicht. Carolien Hamming erklärt: „Unsere innere Stimme treibt uns immerzu an, etwas nützliches zu tun. Für uns selbst, für die Familie, die Welt… dadurch ist Niksen in der Praxis echt schwer umzusetzen.“

Dabei hat Niksen im Vergleich mit anderen Methoden viele Vorteile. „Hygge“ zum Beispiel spricht viele Menschen an, da es sehr angenehm und entspannend ist. Aber es ist auch zeitaufwändig: man muss Kerzen anzünden, Decken und Loungewear kaufen und andere Menschen in sein gemütliches Leben einbeziehen. Beim Niksen hingegen reicht die eigene Person vollkommen aus – und man muss vorher überhaupt nichts vorbereiten. Damit ist Niksen dem Konzept der Achtsamkeit sehr ähnlich. Allerdings geht es beim Niksen nicht nur darum, im Moment zu bleiben und sich seiner Umgebung (und seiner selbst) bewusst zu sein. Statt dessen geht es darum, sich selbst nichts tun zu lassen, ohne gezielte Gedanken und Erwartungen zu sein. Und das ist wichtiger als man vielleicht denkt. Carolien Hamming sagt: „Ich denke, dass regelmäßiges Niksen wichtig ist, um gesund zu bleiben. Es ist eine Form der mentalen Ruhe und Erholung. Aber eben während du wach bist.“

Dabei ist das Konzept des „Niksen“ durchaus nicht neu. Philosophen und Schriftsteller preisen die Vorteile des Nichtstuns schon seit Jahrhunderten. Begriffe dafür gibt es in allen Kulturen (in Italien zum Beispiel beschreibt das „dolce far niente“ die Süße, nichts zu tun). Vor allem aber hat Niksen nichts mit Faulheit zu tun. Ganz im Gegenteil: Niksen ist die gründliche Freude an den Pausen des Lebens.

Carolien Hamming: „Wenn man sich einmal in der Natur umschaut, erkennt man, dass die meisten Tiere in zwei Dritteln ihrer Zeit überhaupt nichts tun. Sie gähnen, schauen sich um, sitzen und warten, bis ein kleiner Snack vorbeikommt. Niksen scheint also ein sehr natürlicher Zustand des Seins zu sein.“

Gefunden bei lifehacker.com. Foto: Pixabay.

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