Müdigkeit und ein Bier – Wunderwaffen für die Kreativität

by Sebastian Klammer on Februar 13, 2012

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Man weiß gar nicht genau, ob das eine gute Nachricht ist oder nicht, aber es scheint sich gezeigt zu haben, dass die eigene Kreativität steigt, wenn man betrunken ist und totmüde.

Egentlich sagt einem der gesunde Menschenverstand, dass es keine gute Idee ist, sich die Kante zu geben, wenn man müde ist – und/oder auf Arbeit. Wired-Reakteur Jonah Lehrer hingegen verweist auf aktuelle Studien und sagt, betrunken und müde zu sein, könne wahre Kreativitätswunder bewirken. Und zwar aus diesem Grunde:

Wenn man mit der Lösung eines Problems beschäftigt ist, hebt unser Hirn automatisch das hervor, was es selbst für relevant hält, während es alles, was nicht augenscheinlich zu einer Lösung führt, ignoriert. Im Prinzip ist das auch eine gute Idee, denn ohne diese Fokussierung würde das Hirn ständig mit irrelevanten Informationen überflutet, wenn man versucht, eine eigentlich ganz einfache Aufgabe zu lösen. Für normale, analytische Probleme ist diese Funktion essentiell. Wenn es hingegen um Kreativität geht, arbeitet unser Hirn ohne diese Fokussierung deutlich besser.

Um das zu demonstrieren, haben Wissenschaftler zwei Gruppen von Menschen mit verschiedenen Aufgaben betraut. Eine der beiden Gruppen bestand aus Patienten mit schweren, verletzungsbedingten Aufmerksamkeitsstörungen. Und hier zeigte sich, dass genau diese Patienten bei der Lösung kreativ herausfordernder Aufgaben deutlich besser abschnitten. So waren nur 43 Prozent der “normalen” Teilnehmer in der Lage, die Aufgabe zu bewältigen, während 82 Prozent der Teilnehmer mit reduzierter Aufmerksamkeit problemlos zum Erfolg kamen. Doch warum ist das so? Warum kann eine Verletzung unseres Gehirns dazu führen, dass wir bei schweren, kreativen Aufgaben leistungsfähiger werden?

Die Antwort liegt eigentlich klar auf der Hand: Bei der Bewältigung kreativer Aufgaben kommt es vor allem darauf an, zunächst möglichst viele denkbare Lösungen in Betracht zu ziehen. Je mehr, desto besser. Genau hier macht uns unser Hirn normalerweise einen Strich durch die Rechnung, indem es die Anzahl möglicher Lösungen von vorn herein einschränkt. Die vielleicht beste aller Lösungen fällt uns vielleicht gar nicht ein, da sie unserem Hirn zunächst abwegig erscheint. Menschen mit Aufmerksamkeitsstörungen unterliegen dieser – in diesem Fall hinderlichen – Filterung nicht. Sie werden durch ihre Hirne gezwungen, eine viel größere Anzahl möglicher Lösungen in Betracht zu ziehen. Und deshalb sind sie fast doppelt so erfolgreich.

In einer zweiten, ähnlich gelagerten Studie präsentierte man müden bzw. alkoholisierten Studenten verschiedene Aufgaben im analytischen und im kreativen Bereich. Ähnlich wie die Teilnehmer mit verletztem Frontallappen schnitten auch die betrunkenen / müden Studenten deutlich besser ab als die “normale” Vergleichsgruppe, wenn es um die Lösung kreativer Probleme ging. Lehrer fasst das Ergebnis so zusammen:

“Alkohol vernebelt unsere Sinne und macht uns schwerer, scheinbar irrelevante Gedanken und weit hergeholte Assoziationen zu ignorieren, die so wichtige Elemente der Ideenfindung sind. Wenn Sie also das nächste mal eine wirklich gute Erleuchtung brauchen, vermeiden Sie Kaffee und Konzentration. Ketten Sie sich nicht an Ihren Schreibtisch, sondern stellen Sie Ihren Wecker morgens etwas früher und genießen Sie es, ihre müden Gedanken fließen zu lassen. Und wenn das nicht hilft, gönnen Sie sich ein Bier.”

Den ganzen, detaillierten Artikel, inklusive der jeweils gestellten Aufgaben, kann man beim Wired Magazin lachlesen. Hier ist der Link.

Gefunden bei lifehacker. Foto von star5112.

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