Happy Birthday! Der Walkman wird 40.

von Sebastian am Juli 1, 2019

Sony Walkman TPS-L2

Am 1. Juli 1979 brachte SONY den ersten Personal Portable Cassette Player, den TPS-L2, auf den Markt. Heute wird der kleine Kasten, der unseren Musikkonsum auf den Kopf stellte, 40 Jahre alt.

Es ist heute kaum noch vorstellbar, dass es einmal eine Zeit gab, in der man nicht immer und überall die eigene Musik hören konnte, ohne die Umgebung gleich mit zu beschallen. Kopfhörer und Ear Buds gehören heute in so gut wie jeder Stadt zum ganz normalen Straßenbild – beim Spazierengehen, Joggen, Radfahren, in der U-Bahn oder im Bus. Dabei ist die Möglichkeit, die eigene Musik überall mit hinnehmen zu können, geschichtlich betrachtet, eine vollkommen neue Errungenschaft, auf die unsere Vorfahren noch verzichten mussten. Bis der Sony Walkman des Weges kam. Mit ihm schuf der japanische Elektronikhersteller nicht nur ein ganz neues Gerät, sondern auch gleich eine ikonische Bezeichnung, die die Menschen für Jahrzehnte begleiten sollte. Die kleinen Kassettenspieler hörten allerdings zwischenzeitlich auch auf so kuriose Namen wie „Stowaway“, „Soundabout“ oder „Freestyle“, bevor sich der „Walkman“ durchsetzte.

Sony Walkman TPS-L2

SONY TPS-L2, der erste Walkman. Foto: SONY

Der Geschichte nach geht die Entwicklung des Sony Walkman auf einen persönlichen Wunsch des Firmenmitgründers Ibuka Masaru zurück. Mit dem TC-D5 hatte Sony zwar bereits ein sehr kompaktes, tragbares Gerät zum Abspielen und Aufnehmen von Tonbandkassetten auf dem Markt, doch Masaru suchte nach einer noch unauffälligeren Möglichkeit, unterwegs seine geliebten Opern hören zu können. Er beauftragte den Designer Norio Ohga, der, rechtzeitig vor Masarus nächstem Flug, einen Prototypen entwickelte.

Sony TC-D5

SONY TC-D5, Foto: SONY

Der erste echte Sony Walkman, der TPS-L2, kam 1979, nach nur einem Jahr Entwicklungszeit, in die Läden. Er kostete bei seiner Markteinführung 150 US-Dollar. Was sich heute nach nicht viel anhört, war vor 40 Jahren eine schöne Stange Geld. Immerhin betrug die Durchschnittsmiete in den USA damals gerade einmal 280 Dollar. Ein Brot kostete etwa 50 Cent. Der vergleichsweise hohe Preis sorgte dafür, dass der Absatz im ersten Monat nur schleppend anlief. Doch das sollte sich bald ändern: der Walkman wurde zu einem der erfolgreichsten Sony-Produkte aller Zeiten. Über 400 Millionen Walkmen hat das Unternehmen seither weltweit verkauft – 200 Millionen davon waren klassische Kassettenspieler. Die gab es schon bald in den verschiedensten Ausführungen und auch die anderen Elektronikhersteller zogen nach. In den Achtziger und Neunziger Jahren war der Walkman (oder ein Äquivalent) ein absolutes Must-Have.

SONY WM 101

SONY WM 101 mit Auto-Reverse-Funktion von 1985, Foto: SONY

SONY WM-B52

SONY WM-B52 Walkman Sports von 1988. Foto: Free Photos and Art/Flickr, CC-by-2.0

AIWA HS-EX3000

AIWA HS-EX3000 von 1992, Foto: R.Daneel

Panasonic RQ-CR07V

Panasonic RQ-CR07V mit Auto-Reverse-Funktion von 1993

Philips AQ6595

Philips AQ6595 mit AM/FM Radio und AutoStop-Deck, Foto: Philips

SHARP JC-K99

SHARP JC-K99 mit Fernbedienung von 1990, Foto: Subject Experts LLC

Und daran hat sich nicht viel geändert. Lediglich Form und Funktion der persönlichen Musikbeschallung haben sich den jeweiligen technischen Möglichkeiten angepasst. Die Kassette, die anfällig war für „Bandsalat“ und maximal 90 Minuten Musik aufnehmen konnte, wich der CD, die zwar besser klang, dafür aber nur 60 Minuten Musik enthielt und beim Laufen schnell zu springen begann. Sie wurde Ende der Neunziger von der MP3 und der Speicherkarte verdrängt. Bei ihr sprang überhaupt nichts mehr und wachsende Speicherkapazitäten sorgten dafür, dass man sprichwörtlich tausende Songs mit sich herum tragen konnte. Heute werden die meisten Titel gestreamt und nicht mehr lokal gespeichert.

SONY MZ1 Minidisc Player

SONY MZ1 Minidisc Player von 1992, Foto: SONY

SONY D-E01

SONY D-E01 „Discman“ (später „CD-Walkman“) von 1999, Foto: SONY

SONY NW-E505

SONY NW-E505/507 MP3 Player von 2005, Foto: SONY

SONY Walkman NWD-W273

SONY Walkman NWD-W273 Headphones von 2013, Foto: SONY

Überschattet wird die ansonsten so glanzvolle Geschichte des Sony Walkman von einem Urheberrechtsstreit. Denn so ganz allein stand Sony mit seiner Idee eines portablen Kassettenspielers nicht. Bereits 1972 dachte der Philosoph und Erfinder Andreas Pavel über eine tragbare Hi-Fi-Anlage nach, die er 1976 in Düsseldorf verschiedenen Herstellern vorstellte. Ohne dabei auf großes Interesse zu stoßen. 1977 meldete er sein Konzept einer Taschen-Stereo-Anlage mit Kopfhörern in Italien zum Patent an. 1978 folgten Patentanmeldungen in Deutschland, in den USA, Großbritannien und Japan. Zu einer Zusammenarbeit mit Sony oder einer Anerkennung des Urheberrechts an der Erfindung durch den japanischen Konzern kam es allerdings nie. Bis 2003 bliebt Pavel mit allen Urheberrechtsklagen gegen Sony erfolglos. Erst 2004, unter Androhung weiterer Klagen, lenkte das Unternehmen schließlich ein und zahlte dem Erfinder im Rahmen eines Vergleichs einen nicht genannten Betrag. Erst im Jahr 2010 stellte Sony die klassische, auf Kassetten basierte Walkman-Produktreihe ein. Der Name „Walkman“ allerdings lebt weiter – in Form neuer MP3-Player und der Sony Walkman App.

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