Google und die UN starten überwältigende Website zu Syrien

von Sebastian Klammer am Mai 23, 2017

searchingforsyria

Die meisten syrischen Flüchtlinge sind einfach Familien mit Kindern, die in den Strudel eines Krieges geworfen wurden, den sie nicht wollten. Deshalb ist es ein umso grausamerer Zynismus, wenn die USA und andere Staaten ihre Türen vor ihnen verschließen. Um Außenstehenden zu helfen, besser zu verstehen, was der Syrien-Krieg eigentlich bedeutet, haben sich Google und die UN Flüchtlingshilfe (UNHCR) zusammengetan und eine neue Website online gestellt, die die fünf häufigsten Fragen zum Syrienkonflikt beantwortet. Die Website ging heute ins Netz und wird in ausgewählten Ländern auf der Google Homepage gefeatured. Direkt erreichbar ist sie unter www.searchingforsyria.org.

UN High Commissioner Filippo Grandi erklärt: „‚Searching for Syria‘ soll dazu beitragen, Mythen und Missverständnisse über Syrien und die Flüchtlingskrise aus der Welt zu schaffen und einen neuen Blick auf die größte humanitäre Tragödie unserer Zeit ermöglichen.“

Laut Google haben sich die Suchanfragen, die sich mit Syrien beschäftigen im Verlauf des Krieges verändert. Zählten zunächst noch einfache Anfragen wie „Wohin gehen die syrischen Flüchtlinge“ zu den häufigsten, wird deutlich, dass die Menschen inzwischen tiefer gehende Antworten suchen – zum Beispiel mit Fragen wie „Wie war Syrien vor dem Krieg?“. Zu den vier häufigsten Fragen bei Google zählen „Was geschieht in Syrien?“, „Wer ist ein Flüchtling?“, „Wohin gehen die syrischen Flüchtlinge“ und „Wie kann ich syrischen Flüchtlingen helfen?“.

Mit der neuen Website wollen Google und die UN zwei Ziele erreichen. Zum einen wollen sie Besucher um Spenden bitten, um die Hilfe für syrische Flüchtlinge zu unterstützen. Zum anderen soll die Website aber auch Verständnis und Unterstützung generieren, sagt Grandi und Google Vizepräsidentin Jacqueline Fuller fügt hinzu: „Das Ausmaß der syrischen Flüchtlingskrise ist für die meisten von uns überhaupt nicht fassbar. Und doch zeigen unsere Suchergebnisse, dass sich die Menschen Antworten wünschen. Sie wollen verstehen, worum es geht.“

Mit der Hilfe von kurzen Editorials, Flüchtlingsprofilen, Fotos und Videos wollen Google und die UN Antworten auf diese Fragen geben. Auf die Frage „Wie war Syrien vor dem Krieg“ weist die UNHCR zum Beispiel darauf hin, dass vor dem Krieg Musik, Mode und Sport zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen gehörten – wie in so gut wie jedem westlichen Land zur gleichen Zeit. Im Jahr 2010, dem Jahr vor Ausbruch des Krieges, zählten „Arab Idol“ (vgl. „Deutschland sucht den Superstar“), „Bodybuilding“, „Sommermode“ und „Miley Cyrus“ zu den Top-Suchbegriffen aus Syrien.

Im Jahr 2008 wurde Damaskus zur arabischen Kulturhauptstadt ernannt. 2010 kamen mehr Touristen nach Syrien als nach Australien und das Land besaß sechs UNESCO Kulturerbestätten. Eine davon – Palmyra – wurde im Laufe des Krieges von ISIS-Extremisten zerstört – nur eine der zahllosen Tragödien, unter denen das Land zu leiden hat. Zwei Millionen Syrer wurden im Laufe des Krieges bisher getötet oder verwundet – darunter 24.000 Kinder. Jede vierte Schule wurde zerstört, beschädigt oder in ein provisorisches Krankenhaus umgewandelt. Die Hälfte der Krankenhäuser im Land funktioniert nicht mehr und Millionen Hektar Farmland wurden zerstört.

searchingforsyria.org ist überwältigend und herzzerreißend zugleich, doch Google und das UNHCR sind davon überzeugt, dass sie dazu beitragen wird, das Verständnis für die furchtbaren Ereignisse der vergangenen sechs Jahre zu verbessern. Grandi erklärt: „Am Ende des Tages zeigt sich doch, dass die syrischen Flüchtlinge, von denen viele hoch gebildet sind, einfach nur frei von Gewalt leben und arbeiten möchten. Der Beitrag, den Flüchtlinge weltweit in ihren neuen Heimatländern geleistet haben, war überwältigend positiv.“

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