Bluetooth Speaker gesucht – SONOS gefunden.

von Sebastian am Januar 7, 2016

SONOS Play:1 Wireless Speaker

Meine Bluetooth-Speaker Odyssee geht in die dritte Runde – und es kann gut sein, dass dies vorerst die letzte ist. Denn ich habe SONOS entdeckt – genau genommen die kleinen SONOS Play:1 Multi-Room Boxen. Wobei Boxen eigentlich etwas untertrieben ist. Aber der Reihe nach.

Wie wahrscheinlich viele Leute, höre ich gern meine eigene Musik, während ich im Bad bin oder in der Küche Gurken schnippele. Das geht natürlich mit dem Handy ganz gut, ist jetzt aber nicht wirklich Balsam für die Ohren. Grundsätzlich lässt sich dieses Problem mit einem Bluetooth-Lautsprecher beheben: die Musik kommt vom NAS, wird vom Handy wiedergegeben und auf die Bluetooth-Box gestreamt. Soweit so gut. Nun lebt in unserer Wohnung aber auch noch meine bessere Hälfte (und zwei kleine Terroristen mit eingeschränktem Mitspracherecht). Und das führt zu Problemen.

Einer der Haken an einer Bluetooth-Box ist nämlich, dass sie zu jedem Zeitpunkt mit immer nur einem Gerät gepaart sein kann. Das heißt: habe ich als letzter Benutzer meine Musik auf einer Bluetooth-Box wiedergegeben und die Geräte nicht voneinander getrennt, nimmt die Box Verbindungsversuche vom Handy meiner Freundin nicht an – und vice versa. Ich muss erst das eine Handy trennen, bevor ich ein anderes verbinden kann. Technisch verständlich, aber extrem unpraktisch!

Der zweite Haken ist, dass die Bluetooth-Box zur Musikwiedergabe das Handy braucht. Entferne ich das Handy zu weit von der Box, ist Funkstille – im wahrsten Sinne des Wortes. In den allermeisten Fällen kein Problem – außer, wenn dem Smartphone der Saft ausgeht oder ich tatsächlich telefonieren möchte.

Hinzu kommt, dass meine Freundin morgens lieber Radio hört. Nun gibt es zwar ganz gute Bluetooth-Lautsprecher, aber die haben allesamt keine Radio-Funktion. Vor ein paar Jahren gab es mit dem HIDDEN Radio mal einen ganz schicken Ansatz für eine Bluetooth-Box MIT Radio, aber die hatte, bei allem Design-Hype, einen unterirdisch miserablen Klang und mittlerweile in Version 2 auch kein Radio mehr. Radios mit Bluetooth gibt es hingegen nur in Micro-Anlagen-Format und die sind mir zu groß, zu umständlich und klanglich einfach nicht gut genug.

In dieser Zwickmühle steckend, stromerte ich im November des kürzlich vergangenen Jahres durch die Audio-Abteilung eines größeren Elektronikhändlers, vorbei an eingeschränkt wunderbaren Angeboten von Sony, Philips, Bose, JBL und anderen. Alle mit gewissen Vorzügen, aber auch alle mit erheblichen Nachteilen: beim Klang, bei der Ausstattung oder beim Design. Ich hatte mich schon mit dem Gedanken abgefunden, dass die gesuchte eierlegende Wollmilchsau wohl nicht existiert, als ich am Demo-Bereich für die teureren Geräte vorbeikam, in welchem einer der Angestellten zufällig gerade die neuen SONOS Play:1 Boxen vorführte. Das wusste ich in dem Moment allerdings noch nicht. Ich hörte nur einen super brillanten Sound und einen krachenden Bass und war von den Socken! Ganz im Ernst: ich bin um den Tisch herum geschlichen, um zu sehen, ob darunter noch irgendwo ein Sub versteckt war, weil ich nicht glauben konnte, dass all das allein aus einem 20 cm kleinen Türmchen kommen sollte. Nach einem schnellen Blick aufs Preisschild ließ ich mich beraten – und erfuhr, dass die SONOS Play:1 zwar einen irre guten Klang besitzt, dafür aber weder Radio noch Bluetooth. Also eigentlich, streng genommen, keine meiner beiden Grundvoraussetzungen erfüllte. Allerdings braucht sie das auch nicht, denn sie hat etwas viel besseres: ein geniales Konzept!

SONOS Play:1 Wireless Speaker

SONOS Play:1 Smart Speaker (Bild: SONOS)

Die Musikwiedergabe auf den SONOS Boxen erfolgt nach einem anderen Prinzip als bei den üblichen drahtlosen Audiosystemen, die zumeist auf Bluetooth und/oder AirPlay basieren. Dazu muss man bedenken, dass die Boxen nicht einfach nur Boxen sind, sondern – streng genommen – sehr rudimentäre Rechner (Clients) mit extrem überdimensionierter Audio-Ausgabe. Die Musikwiedergabe, Anbindung an einen Media Server, die Verwaltung von Freigaben und Playlisten, der Zugriff auf freigegebene Bibliotheken sowie die Nutzung von Musikdiensten wie rdio, SoundCloud, des etc. erfolgt direkt im Gerät, welches insofern vollkommen autonom arbeitet – WLAN-Zugang oder LAN-Anschluss vorausgesetzt.

SONOS Play:1 Smart Speaker

SONOS Play:1 Smart Speaker (Bild: SONOS)

Die Steuerung erfolgt über eine Smartphone App. Mit ihr lässt sich SONOS Play einrichten, es lassen sich Musikdienste hinzufügen, Playlisten verwalten, Radiosender auswählen und alles weitere. Die Smartphone-App ist allerdings nur zum triggern der jeweiligen Aktion erforderlich – sobald die Box das tut, was sie soll (z.B. einen Internet Radiosender wiedergeben), wird das mobile Gerät nicht mehr benötigt. Man kann es einfach in die Hosentasche stecken und weggehen, ohne dass die Musikwiedergabe unterbrochen wird, das Telefon abschalten oder sogar die Steuerung mit einem anderen Gerät übernehmen. Da alle Boxen und alle mobilen Geräte in einem System miteinander verbunden werden können, kann jedes mobile Gerät zu jeder Zeit jede im System befindliche Box steuern – auch wenn ein anderes Gerät gerade dasselbe tut. Dabei wird auf jedem verbundenen Gerät angezeigt, was welche Box gerade abspielt. Dreht man zum Beispiel die Lautstärke einer Box mit einem Gerät herunter, bewegt sich der Zeiger auf den anderen Geräten entsprechend mit.

SONOS App

Ebenso clever ist die Kommunikation mehrerer SONOS-Boxen untereinander. Zwar übernimmt innerhalb eines Systems immer eine Box gewissermaßen die Führungsrolle, aber alle Boxen tauschen sich untereinander aus. Dazu bauen sie, unbemerkt vom Nutzer, ein eigenes, sehr leistungsfähiges WLAN-Netz auf, über welches sie Playlisten, Audiodienste und Freigaben untereinander austauschen. Das heisst: Auf allen Boxen im System sind immer alle eingestellten Dienste / Freigaben / Playlisten und Titel verfügbar. Stehen einzelne Boxen sehr weit vom Basis-Router entfernt, fungieren die näher stehenden Boxen zudem als Repeater, so dass sich die Reichweite über mehrere Boxen hinweg nahezu unendlich ausdehnen lässt.

Die SONOS App, die es für Windows, Mac, Android und iOS gibt, zeigt sich sehr aufgeräumt und intuitiv – Einrichtung und Bedienung sind ein Kinderspiel, auch wenn erweiterte Funktionen, wie etwa das Gruppieren von Boxen, etwas versteckt sind und einen Blick in die Hilfe erfordern. Das allermeiste geht logisch und fix von der Hand.

Wie schon erwähnt, lassen sich mehrere Boxen zu Gruppen zusammenschließen – etwa, wenn man möchte, dass in allen Räumen dieselbe Musik läuft. Positioniert man zwei Boxen in einem Raum, kann man sie auch zu einem Stereo-Paar kombinieren, wobei man festlegen kann, welche Box den linken und welche den rechten Stereokanal wiedergeben soll.

Klanglich gibt es an den kleinen, schlauen Krawalldosen nicht das geringste auszusetzen. Nein, das ist falsch: der Klang ist hervorragend! Er ist extrem ausgewogen, sehr sauber, mit wirklich kristallklaren Höhen und sattem Bass. Dass der nicht so in der Magengrube wummert wie bei einem Yamaha Studio Monitor ist schon angesichts der Größe verständlich, aber er kommt sehr kraftvoll und mit deutlichem Druck! Wir haben im Wohnzimmer eine Audiobeschallung von Bose und die klingt im Vergleich zu den SONOS-Boxen ganz eindeutig dumpfer und basslastiger – fast so, als säße man hinter einem Vorhang. Am Besten einmal selbst anhören! Einen Haken hat der gewaltige Sound allerdings: die SONOS Play:1 muss an die Steckdose – der Betrieb mit Akku oder Batterie ist nicht möglich. Da man allerdings ohnehin einen WLAN/LAN-Zugang benötigt und die Boxen in den meisten Fällen einen festen Platz im Raum erhalten, kommt das nicht so wirklich zum Tragen.

Was Musikquellen betrifft, gibt SONOS so gut wie keine Grenzen vor. Man kann auf freigegebene Musikbibliotheken, auf DLNA-Server, NAS-Freigaben und natürlich auf die Titel auf dem jeweiligen Smartphone oder Tablet zurückgreifen. Oder zahlreiche Internet-Dienste nutzen, wie z.B. Apple Music, 7digital, Amazon Music, Bandcamp, Deezer, Google Play Music, Groove, Juke, Last.FM, Napster, Shuffler, SoundCloud, Spotify, Stitcher, TuneIn Radio und viele weitere. AirPlay beherrscht die SONOS Play:1 von Hause aus nicht. Stöpselt man allerdings z.B. eine AirPort Express an eine der Boxen, kann man auch Musik vom iPhone streamen – was man allerdings angesichts der Möglichkeiten, die die SONOS App bietet, nicht muss.

Äußerlich kommen die Boxen sehr minimalistisch daher. An Bedienelementen gibt es nur einen Lautstärkeregler und einen Pause/Play-Knopf auf der Oberseite des schweren Gehäuses. Der Rest besteht fast ausschließlich aus einem nahtlosen Metallgitter, das sich rund um das Gehäuse zieht. Eine Sonos Play:1 gibt es derzeit für 258 Euro – das Set aus zwei Boxen kostet 399 Euro. Für die gebotene Qualität und Funktionsvielfalt, gerade im Vergleich zu ähnlich hoch ausgepreisten Bluetooth-Geräten, ist das ein wirklich guter Preis – und meine klare Kaufempfehlung!

Zu haben in Weiß (Einzeln / 2er-Set) oder Schwarz (Einzeln / 2er-Set) zum Beispiel bei Amazon.de.

Bilder: SONOS

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