Nur 2x am Tag E-Mails lesen. Geht das?

von Sebastian am April 24, 2015

Mail Inbox

In einem sehr lesenswerten Artikel auf www.fastcompany.com beschreibt die Autorin Laura Vanderkam ihre Erfahrungen mit einem Selbstversuch: nur zweimal am Tag ihre E-Mails zu lesen und so den Tag besser – auch produktiver – zu nutzen. Da der Artikel selbst nur auf Englisch vorliegt, möchte ich seinen Inhalt einmal grob zusammenfassen. Den kompletten Artikel gibt es hier.

Die Idee

E-Mails können eine echte Droge sein. Gerade dann, wenn sie immer verfügbar und mögliche Ausreden wie „Ich war nicht am Computer“ denkbar dünn gesät sind. Es wird einfach erwartet, dass E-Mails sofort beim Empfänger ankommen. Was dazu führt, dass auch der Empfänger in der stetigen Annahme lebt, dass die Leute, die ihm E-Mails senden, genau das erwarten – zusammen mit einer möglichst sofortigen Antwort. Dabei raten mittlerweile viele Produktivitäts-Gurus dazu, E-Mails weit weniger häufig zu lesen. In seinem Buch „The 4-Hour Workweek“ schlägt Tim Ferriss einen Intervall von 2x am Tag vor, um sinnvoller und produktiver zu arbeiten – und zu leben.

Die Erkenntnisse

Laura Vanderkam betont, dass sie absolut von E-Mails abhängig war, als sie sich entschied, ihre Mails nur noch zweimal am Tag zu lesen – einmal um 10:30 am Morgen und einmal am frühen Abend. Zunächst, so schreibt sie, hätten ihr durchaus die Finger gejuckt, wenn sie für mehrere Stunden nicht an ihre In-Box durfte. Dennoch habe sie gemerkt, dass sie viel mehr Arbeit erledigt bekommt, wenn sie um 6 Uhr morgens mit der Arbeit beginnt, sich aber vor 10:30 Uhr nicht um E-Mails kümmert.

Auch interessant: Je öfter man seine E-Mails liest, so Vanderkam, desto wahrscheinlicher ist es, dass alle gelesenen Nachrichten irrelevant sind – oder einfach von der Art, um die man sich im Moment nicht kümmern möchte. Liest man seine Mails allerdings nur zweimal am Tag, ist es so gut wie sicher, dass mindestens eine Nachricht darunter ist, die man sehr wohl lesen möchte oder über die man sich freut. So wird das E-Mail-Lesen zu einem weitaus positiveren Erlebnis.

Eine der interessantesten Erkenntnisse war für Vanderkam wohl der Umstand, dass die meisten Menschen sehr wohl gewillt sind, auf eine Antwort zu warten. Das bedeutet, dass der Druck, sofort auf eine E-Mail reagieren zu müssen, zu einem guten Teil von uns selbst fabriziert wird. Es gibt natürlich Ausnahmen, aber das sind offenbar wirklich wenige.

Die Haken

E-Mails erreichen uns mittlerweile überall – im Büro, zuhause, im Bus, im Auto, auf dem Klo. Eine strenge E-Mail-Diät einzuhalten, ist in Zeiten des Smartphones nahezu unmöglich. Es sei denn, man schaltet das Handy aus, was allerdings nicht wirklich praktikabel ist, wenn es sich dabei um das alleine Kommunikationsmedium handelt, das man nutzt.

Außerdem betont Vanderkam: Je seltener man den Posteingang aufsucht, desto länger dauern die Besuche. Das erscheint auch recht logisch: Liest man E-Mails den ganzen Tag über, muss man sich nicht sofort um eine Antwort kümmern. Man kann es auf später verschieben, denn später heisst in diesem Zusammenhang nicht erst morgen. Beim 2x-am-Tag-Versuch allerdings schon. E-Mails, die man nicht am Morgen beantwortet, kann man frühestens am Abend beantworten – was bedeutet, dass man es lieber sofort tut. Das hat Vor- und Nachteile: Die Aufgabe ist erst einmal vom Tisch – aber es kostet erst einmal Zeit. Das bedeutet, dass man sich für die E-Mail-Arbeit explizit Zeit einplanen muss, wenn man es nicht mehr einfach „zwischendurch“ erledigt. Trotzdem: Vanderkam resümiert, dass sie nur noch etwa 5 Stunden in der Woche mit ihren E-Mails verbringt – anstelle der 14 Stunden, die im Durchschnitt üblich sind.

Den ganzen Artikel in englischer Sprache findest du hier.

Auch interessant: Der Blog von Tim Ferriss.

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